Deutscher Gewerkschaftsbund

Mobilität Ludwigslust-Parchim

vegefox/AdobeStock

12.01.2023
Online-Befragung

Mobilität und Arbeitswege im Landkreis Ludwigslust-Parchim

Verkehrswende gestalten mit und für die Beschäftigten

Mobilität Ludwigslust-Parchim

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Der DGB Kreisvorstand Ludwigslust-Parchim möchte mit dieser Publikation einen Beitrag zur Debatte um die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur im Landkreis Ludwigslust-Parchim leisten. Wir laden Sie ein, sich über unsere Vorschläge zu informieren und mit uns ins Gespräch zu kommen.

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Im Oktober 2022 hat der Kreisvorstand eine Online-Befragung zu Mobilität und Arbeitswegen durchgeführt. Beteiligt haben sich 450 Kolleginnen und Kolleginnen aus dem Landkreis. Die Rückmeldungen der Kolleginnen und Kollegen zeigen uns, wie wichtig den Beschäftigten in der Region das Thema Mobilität ist.

Die durch den russischen Angriffskrieg ausgelöste Energiekrise hat die Mobilitätskosten für viele Beschäftigte drastisch erhöht. Die Frage, wie die Beschäftigten möglichst schnell, komfortabel, kostengünstig und klimafreundlich an ihren Arbeitsplatz kommen, ist ein wichtiges gewerkschaftliches Anliegen und hat eine große Bedeutung für unser Ziel von guter Arbeit und einem guten Leben in der Region. 

Für den ländlich geprägten Landkreis besteht hier durch weite Arbeitswege und teilweise mangelhaften ÖPNV eine besondere Herausforderung. Doch damit Beschäftigte auf ihrem Weg zur Arbeit nicht mehr auf das eigene Auto angewiesen sind, braucht es mehr denn je ein Konzept für einen ausgebauten und leistungsfähigen ÖPNV.

Als DGB wollen wir einen Beitrag leisten, um Tempo zu machen für eine nachhaltige Verkehrswende mit und für die Beschäftigten im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Der DGB Kreisvorstand hat Ideen entwickelt, wie der ÖPNV für die Beschäftigten attraktiver werden kann

Der DGB Kreisvorstand Ludwigslust-Parchim beschäftigt sich seit einem Jahr mit der Mobilität und den Arbeitswegen in unserem Landkreis. Auf der Grundlage der Ergebnisse der Befragung unserer Kolleginnen und Kollegen haben sie Ideen erarbeitet, wie der ÖPNV für die Beschäftigten attraktiver werden kann. Aus den Ergebnissen wurden Forderungen formuliert, die hier vorgestellt werden.

Inhaltsverzeichnis

Auswertung der Befragung

Kommentare von Befragten:


“Überhaupt keine nutzbare Verkehrsverbindung.” 

“Bestehende Linienführungen sollten bedarfsgerecht neu bewertet werden.”

“Ich würde viel lieber den ÖPNV nutzen, als mit dem Auto zu fahren, aber wohnt man auf dem Land, hat man dafür kaum eine Chance!”

Der DGB Kreisvorstand Ludwigslust-Parchim hat in einer Online-Befragung Gewerkschaftsmitglieder zu ihrem Arbeitsweg befragt. Vor allem Berufspendler*innen haben an der Befragung teilgenommen. Wie erwartet, ist das Auto das wichtigste Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit. 84% nutzen das Auto auf dem Weg zur Arbeit. Die Gründe sind vor allem fehlende bzw. unattraktive ÖPNV-Verbindungen. 

70% der Befragten bewerten die ÖPNV-Anbindung auf dem Weg zu ihrer Arbeit als sehr schlecht oder schlecht. Nur 9% sagen, sie ist gut oder sehr gut. Knapp 30% geben an, dass es auf ihrem Arbeitsweg überhaupt keine ÖPNV-Verbindungen gibt.

Busverbindungen und vor allem Rufbusse spielen so gut wie keine Rolle für die Arbeitswege im Landkreis. Nur eine einzige Person unter den Befragten nutzt den Rufbus auf dem Weg zur Arbeit. Überraschend ist, dass auch die Bahn nur von einem sehr kleinen Teil der Befragten auf dem Weg zur Arbeit genutzt wird.

Knapp 46% bemängeln die unpassende ÖPNV-Taktung, 41% die schlechte Anbindung an Bus und Bahn. Auch in den Kommentaren werden das fehlende ÖPNV-Angebot „auf dem Dorf“, lange Fahrzeiten und hohe Spritpreise beklagt. Nur 18% sind mit ihrem Arbeitsweg zufrieden. 

 

Grafik 1

Grafik 2

   

Kommentare von Befragten:

„Arbeitgeber müsste sich an den Kosten für die Hin- und Rückfahrt zur Arbeitsstelle beteiligen!“

„Ich hätte es gern genutzt, wenn die Fahrzeiten mit meinen Arbeitszeiten und den Kita-Zeiten kompatibel gewesen wären.“

„Ich musste weiterhin mit dem Auto fahren, da ich auf dem Lande wohne und keine Verbindung mit dem Bus zur Arbeit habe.“

83% der Befragten geben an, dass es in ihrem Betrieb KEIN JOBTICKET gibt.

64% der Befragten hatten im Sommer 2022 kein 9-Euro-Ticket, 36% besaßen ein Ticket. 19% aller Befragten geben an, durch das 9-Euro-Ticket den ÖPNV mehr als zuvor genutzt zu haben. Rund ein Viertel der Befragten, die ein 9-Euro-Ticket erworben hatten, haben dieses für den Arbeitsweg genutzt. 

Trotz der hohen Zahl an Nicht-Nutzer*innen, die „keinen Vorteil“ vom Ticket hatten, befürworten mehr als die Hälfte der Befragten die dauerhafte Einführung des 9-Euro-Tickets. 

Zusammengefasst hatte das Ticket den Effekt, dass 15% aller Befragten das Auto öfter haben stehen lassen, 19% sind mehr ÖPNV gefahren und für 14% war es eine finanzielle Entlastung. Gleichzeitig wird das 9-Euro-Ticket aufgrund der bestehenden Stadt-Land-Unterschiede als ungerecht eingestuft bzw. ein Ausgleich für Autofahrer*innen oder der Ausbau des ÖPNV gefordert. 

Trotzdem gibt es mehrheitlich eine grundsätzlich positive Haltung gegenüber dem 9-Euro-Ticket als Teil der Verkehrswende. Tenor: Wenn es eine ÖPNV-Verbindung gäbe, wäre das 9-Euro-Ticket auch für uns auf dem Land eine gute Sache.

   

Grafik 3

Grafik 4

 

Was aus unserer Sicht daraus folgen muss:
   

1. Das ÖPNV-Angebot auf dem Land muss substanziell verbessert werden

Bushaltestelle auf dem Land

Dawid G/AdobeStock

Die Kernaussage der Befragung ist: 
Ein ÖPNV-Angebot auf dem Land ist kaum mehr vorhanden und die Befragten sind unzufrieden damit. Die Forderung nach einem flächendeckenden ÖPNV auch im ländlichen Raum hat also nichts an Aktualität verloren. 

Die Umfrage unterstreicht aus unserer Sicht unmissverständlich, dass es an der Zeit ist, endlich wieder verbindliche Mindeststandards für den ÖPNV im Landkreis umzusetzen (z.B. durchgängiger 1h-Takt), damit auch die Menschen auf dem Land in Zukunft
schnell, komfortabel und günstig ohne eigenes Auto zur Arbeit kommen können. Nur so kann die Verkehrswende gelingen! 

Ein vereinheitlichtes Tarifsystem vereinfacht die Nutzung des ÖPNV.

Gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in Betrieben des ÖPNV, um künftig als attraktiver Arbeitgeber für den steigenden Personalbedarf gerüstet zu sein.

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim ist der Landkreis mit den weitesten Pendlerwegen bundesweit – ein Argument mehr für die Politik und der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim GmbH (VLP) gemeinsam in die Infrastruktur des ÖPNV zu investieren. Beschäftigte im Landkreis erwarten ein akzeptables ÖPNV-Angebot.

  

  

2. Das Rufbussystem muss bedarfsgerechter gestaltet werden

Rufbus

Africa Studio/AdobeStock

Das Rufbussystem muss hinsichtlich der Zielgruppe Berufspendler*innen auf den Prüfstand. 

Das Rufbussystem ist Teil des Jobticket-Angebots der VLP. Das ist grundsätzlich zu begrüßen. Aber nur eine Person unter den Befragten nutzt den Rufbus für den Arbeitsweg und 83% geben an, dass es in ihrem Betrieb kein Jobticket gibt. Hier gibt es also gleich doppelten Handlungsbedarf.

Das Rufbussystem muss bedarfsgerechter ausgestaltet werden. 

Nach zwei Selbstversuchen mit dem Rufbussystem
sehen wir vor allem Verbesserungsbedarf bei der Vereinfachung des Angebots (z.B. eine statt zwei Apps, Abstimmung mit Umstiegsmöglichkeiten in den Bus- und Bahnverkehr, flexiblere Haltestellen). Außerdem muss das Rufbussystem bekannter gemacht werden. 

 

   

 

   

  

     

3. Das Jobticket als Beitrag zum Klimaschutz stärken

Job-Ticket

primipil/AdobeStock

Arbeitgeber müssen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stärker bewusst werden und mit dem Angebot von Jobtickets ihren Beitrag zur Verkehrswende leisten. Das Jobticket sollte mit höheren Vergünstigungen für die Beschäftigten aus-gestattet sein, um attraktiver zu werden.

Es muss ein aktives Beratungsangebot an die Betriebe vom Landkreis zum Thema Jobticket geben.

Im VLP muss es möglich sein, den Jobticket-Zuschuss durch den Arbeitgeber auf das 49-Euro-Ticket anzurechnen.

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim sollte hier als Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen und für ihre Beschäftigten ein kostenloses Jobticket für den ÖPNV ermöglichen.

 

 

   

 

 

   

 

   

4. Die Einführung des 49-Euro-Ticket nutzen, um mehr Berufspendler*innen für den ÖPNV zu gewinnen

49-Euro-Ticket

Stefan Müller/Wkimedia Commons

25% der Befragten mit 9-Euro-Ticket haben das Ticket für den Arbeitsweg genutzt. Die Befragung hat also gezeigt, dass es auch auf dem Land ein Potenzial für eine Mehrnutzung durch Berufspendler*innen gibt.

Auch die Nutzung des 9-Euro-Ticket für Freizeitaktivitäten ist ein Beitrag für die Verkehrswende.

Voraussetzung ist allerdings ein einfaches und günstiges Ticketformat – und natürlich ein bedarfsgerechtes ÖPNV-Angebot. 

 

 

 

 

 

 

   

 

  

5. Mobilitätskonzepte für Betriebe etablieren und damit Beschäftigte für den Umstieg gewinnen

Mobilitätskonzepte

boellstiftung/Wikimedia Commons

Mobilitätskonzepte können auch für kleinere Betriebe angestoßen werden. Für sie sollte die Möglichkeit geschaffen und gefördert werden, mit anderen Betrieben in Nachbarschaften gemeinsame Konzepte zu erarbeiten.

Neue Gewerbegebiete müssen zukünftig immer unter Gesichtspunkten einer nachhaltigen Verkehrswende geplant und ausgestattet werden, z.B. hinsichtlich E-Mobilität mit Stromtankstellen und/oder ÖPNV-Anschluss.

Bestehende Gewerbegebiete müssen hinsichtlich ihrer Anbindung an das ÖPNV-Netz überprüft und gegebenenfalls mit diesem verbunden werden.

Die Qualität eines Arbeitsplatzes wird zunehmend auch nach den Gesichtspunkten der Erreichbarkeit und ÖPNV-Anbindung bewertet. Eine Investition in die ÖPNV-Infrastruktur ist somit auch eine Investition in die Steigerung der Attraktivität von Arbeitsplätzen in der Region. 

 

 

 

 

 

DGB Region Rostock-Schwerin

Kreisvorstand Ludwigslust-Parchim


Dezember 2022


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